ETT_Jahresbericht_2021_2022

Eine Leseraktion von

und

SCHWEIZER GOLD

Ein würziger Käse macht eine Bergwanderung erst richtig zum Genuss.Drei outdoor -Leser durften in Engelberg Sennern über die Schulter schauen.

TEXT: ALEX KRAPP | FOTOS: STEFAN KÜRZI

Eine Safari mit Seilbahn, eine Hüttennacht ohne Hüttenwirte und Einsamkeit mitten in der Hochsaison: Das alles nden wir auf einer Wanderrunde hoch über Engelberg. Hoch oben tief schlafen Wandern in der Zentralschweiz

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Text: Sissi Pärsch Fotos: Sebastian Doerk

NATUR / REISE

Der Einsatz des Verschütteten­ suchgerätes (Bild unten) im Tiefschnee will geübt sein.

Abseits der Piste kann es zu Schreckmomenten kommen. Auch für TELE an den «Snow& Safety Days» in Engelberg. Text: SonjaHüsler ÜBERMUT tut selten gut

Schöne Aussichten Die wuchtigen Felsen hat man im Rücken, das auslaufende Engelbergertal vor sich. Der Blick reicht bis nach Luzern.

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A lles okay?», Bergführer Fredi Krummenacher (45) steht neben mir. Ausser einem mulmi- gen Gefühl imMagen und dass ich das rechte Beinnichtmehr aus den Tiefschneemassen bringe, ist alles in Ordnung. «Gottlob!», sagt er. «Komm, ich helfe dir wieder raus.» Es geschah in den ersten zwei Stundender «Snow&SafetyDays» (siehe Box S. 20) in Engelberg OW, einemder bestenFreeride-Gebiete der Alpen; für manche ist es sogar das beste weltweit. Nach der Einführung in die La- winengefahren-Skalaundwieman eine Tour im Tiefschnee korrekt plant, fährt unsere Gruppe etwa fünfMeter ausserhalbdermarkier- ten Piste, die von der Bergstation «Stand» hinunter nach Trübsee führt, zurMessstationdes Instituts fürSchnee-undLawinenforschung

Davos. Dort will uns Fredi von «Engelberg Mountain Guide» erklären, wieunterschiedlich sichNeuschnee, Triebschnee, Nassschnee und Altschnee verhalten. Die Sicht ist schlecht, alles ist weiss, man erkennt kaumnochKontraste. Eine solcheSituationnenntman «whiteout». Und genau die wird mir zumVerhängnis: IchseheeineSchneeverfrachtungnicht, fahreüber ihre Kanteund fallevierMeter senkrecht indieTiefe.Noch einmal ist alles gut gegangen,meineKnochensindheil geblieben, aber es zeigt auf, wie schnell etwas passie- ren kann, wenn sich die Bedingungen ändern wegen Nebel, Wind oder Schneefall. Kennt man sich im Ge- ländenicht ausoderhatmansichschlecht vorbereitet, kannman in grosse Schwierigkeiten geraten. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu verunfallen in der Schweiz pro Jahr durchschnittlich 1000 Menschen beim Skitourenfahren – rund 20 da- vonverlaufentödlich.DiesesJahrvielleicht sogarmehr: Wegen Corona sind deutlich mehr Menschen ausser- halbder gesichertenPistenunterwegs.Nicht etwanur junge, sondernauchauffallendvieleältereSportler. Ein Grund ist sicher die um die 3000 Franken teure Freeride- oder Skitouren-Ausrüstung, die sich nicht jeder leisten kann. d

Bilder: Engelberg-TitlisTourismus AG, Sonja Hüsler (2)

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MET SCIB NAAR LUZERN EN ENGELBERG-TITLIS

EEN 55 UUR ZWITSER- LEVEN-GEVOEL Lisette van Dolderen viert dit jaar haar vierde lustrum bij het Switserland Convention & Incentive Bureau (SCIB). En nog steeds krijgt ze enorme voldoening van het organiseren van workshops en studiereizen die telkens een ander aspect van het Alpenland uitdragen. Eind augustus mocht ze na een jaar wachten eindelijk weer een groep meeting- en eventplanners meenemen naar Luzern en Engelberg-Titlis.

Schweiz_winter-newS

Göttlich in enGelberG das neue Kempinksi Palace

Vor rund 100 Jahren war Engelberg ein Nobelort. Dann verfielen die Grandhotels, und die Rivalen imBerner Oberland, imWallis und in Graubünden zogen davon. Jetzt setzen die Zentralschweizer zum Comeback an. Unser Ski-Connoisseur Bernhard Krieger war vor Ort – und hat sich auch in den anderen Top-Skigebieten der Eidgenossen für uns umgeschaut. Dem Himmel ganz nah!

Tekst Monica Rijpma

ten Stunden wird uns keine Menschenseele mehr begegnen – ein Privileg mitten im Herzen der Schweiz. Wege im Abseits Durch den Arviwald geht es nun bergauf zum Arvigrat auf 2’000 m ü. M. Ein Lüftchen weht. Grüne Fenster umrahmen grandiose Aussichten. Wir gehen schweigend, jeder in seinem Rhythmus und den eigenen Gedanken überlassen, mal der eine, mal der andere voraus. Flauschige Wölkchen spiegeln sich im blauen Sarnersee, Bergspitzen strahlen; die würzige Bergluft ist ein Ge- schenk für die Lungen und die Heidelbeeren am Wegrand sind ein Grund, den Blick für die Nebensächlichkeiten zu schärfen. Kein Wunder, erlebt doch das Wandern besonders in Zeiten wie diesen eine Renaissance. Haben wir für vieles keine Antwort, so wissen wir, wie man von A nach B geht, egal welches Auf und Ab dazwischen liegt. Wandern erfüllt eine geistige Aufgabe mit Muskelmasse; es schenkt Abstand und neue Perspektiven. Wer auf 25 km oder gar 156 km an seine körperlichen Grenzen ge- stossen ist, mag tatsächlich meinen, dem Himmel etwas näher gekommen zu sein. Besonders in Momenten wie jetzt. Auf dem nun folgenden Grat werden alle bisherigen Anstren- gungen belohnt. Die Aussicht ist schlicht überwältigend. Links schlummert das Engelbergertal am Fusse der Nidwalder Berg- welt; rechts erstreckt sich die idyllische Obwaldner Landschaft. Ein kurzer Halt zur Stärkung, denn nun braucht es Präzision. Auf beiden Seiten fällt das grasbewachsene Land fast senkrecht ab, mahnt zur Achtsamkeit. Mit der Konzentration leert sich der Kopf. Die Beine stehen einzig im Hier und Jetzt; der Blick ist auf das Wesentliche gerichtet. Voran balanciert die Gratwanderung in luftiger Höhe munter weiter – zuerst über den Gräfimattgrat zum Gräfimattstand und dann dem Schingrat entlang hinunter zum Zwischenziel auf 1’938 m ü. M: der Alp Laucheren. Unter- wegs begegnet uns eine Herde munterer Geissen, die aufge- regt das Salz von unseren Beinen lecken. Eindrucksvoll und fast schon beneidenswert ihre Standfestigkeit! Gastfreundschaft mit Herz Wenige Gehminuten später ist die Alp Laucheren eine familiäre Angelegenheit. Herzlich ist die Begrüssung, liebevoll die Bewir- tung und ein wahres Geschenk des Himmels der grosse Topf Älplermaggronen mit Apfelschnitzen nach Schwiegermutters Art. 28 Jahre schon pflegen Melk und Agnes jeweils von Anfang Juni bis Ende September inmitten dieses natürlichen Amphitheaters

S amih Sawiris hat es in Andermatt mit seinem The Chedi vorgemacht. Das Luxushotel des Ägypters wurde zur Keimzelle für die touristische Auferstehung eines ganzen Ortes. Natürlich ist Sawiris Megaprojekt nicht mit dem neuen Kempinski Palace zu vergleichen – und Engelberg nicht mit Andermatt. Dort kann der milliardenschwere Sawiris praktisch durchregieren, weil ihm neben dem Resort auch das Skigebiet gehört. In Engelberg dauert es – wie in vielen Alpenorten – hingegen ewig, bis alle Anliegen und Einwände unter einen Hut gebracht sind. Dafür ist die Ausgangslage am Fuße des mehr als 3.000 Meter hohen Titlis aber ungleich besser als in Andermatt, das nach dem Rückzug der Armee zu verfallen drohte. Engelberg mag hier und da zwar in die Jahre gekommen sein, das Potenzial ist aber noch da! Das neue Kempinski Palace Engelberg soll nun der „Gamechanger“ für den Ort werden. Dank des im Sommer eröffneten Luxushotels könnte Engelberg jedenfalls bald schon wieder auf der Liste anspruchsvoller Reisender auftauchen. Das Palace ist die einzige Fünf-Sterne-Herberge im Tal. Mitten im Zentrum von Engelberg gelegen, bringt sie verlorengegangene Pracht zurück in einen Ort, der vor rund 100 Jahren noch zu den nobelsten der Alpen gehörte. Das Kempinski knüpft an alten Glanz an, gibt sich dabei aber unprätentiös modern. Sinnbildlich dafür steht die perfekte Fusion des alten Belle-Époque- Trakts mit dem modernen Anbau. Die Architektur ist stimmig, das Spa im Dachgeschoss imposant, der Service herzlich und die von der Berlinerin Michéle Müller geführte Küche mit vielen lokalen Produkten hervorragend. Die wunderschöne Bar im historischen Teil wird sicher zum Hotspot für gepflegtes Après-Ski werden, denn die großen Fenster zur Fußgängerzone ziehen auch auswärtige Gäste magisch an.

„Hoffentlich gibt das Kempinski eine Art Initial- zündung für die Entwicklung im Dorf“, sagen Peter Reinle und Marc Gisin unisono. Reinle war viele Jahre in der Geschäftsleitung der Titlis-Bergbahnen, der ehemalige Ski-Weltcupfahrer Gisin bringt sich seit seinem Rücktritt vom Profisport in die Stadt- entwicklung ein. „Ich war schon in vielen Skigebieten der Welt, aber das Panorama hier ist einzigartig“, schwärmt Gisin über seine Heimat. Vom Brunni- Gipfel schweift der Blick über den Ort mit dem neuen Kempinski und dem 1120 gegründeten Kloster zum 3.239 Meter hohen Titlis. Von der Bergstation der Rotair-Bahn führen die Pisten vom Gletscher bis hinunter ins Tal. Links davon ragen die ebenfalls 3.000 Meter hohen Spannort-Gipfel so bizarr in den Himmel, dass die Engelberger den Talschluss „Little Patagonia“ getauft haben. Auf der Titlis-Seite liegen fünf weltbekannte Freeride-Abfahrten. „Die Big Five haben bis zu 40 Grad Gefälle und über 2.000 Höhenmeter“, erklärt Kilian „Kili“ Weibel. Viele halten den Technischen Leiter der Schweizer Skischule für den besten Skilehrer der Schweiz, seine Instagram-Videos genießen Kultstatus. Weibel liebt Tiefschneeabfahrten, aber er weiß auch die anspruchsvollen Pisten am Titlis zu schätzen. „Dort wurde viel investiert“, pflichtet er Ex-Rennläufer Gisin bei. Was Engelberg jetzt noch fehlt, sind ein paar breite, leichte Pisten. Weil diese, auch wegen der strengen Umweltauflagen auf den steilen Hängen unter dem Titlis nicht realisierbar sind, träumen die Engelberger von einem Zusammenschluss mit Melchsee-Frutt (36 Pistenkilometer) und Meiringen-Hasliberg (60 Kilometer), was das Gebiet von 82 auf fast 180 Pistenkilometer vergrößern und mehr Genießer- abfahrten erschließen würde. Eine Verbindung mit den Nachbarn wäre für das Engelberger Skigebiet der erhoffte „Gamechanger“, der das Kempinski Palace für den Ort schon ist. www.kempinski.com, www.engelberg.ch

AUFBRUCH INS FREIE Gratwanderung Stanserhorn-Engelberg (Etappe 5 des Tell-Trails)

Stanserhorn-Engelberg | Allein durch die Natur streifen – diese Sehnsucht ist nicht neu. Doch gerade jetzt – zwischen Overtourismus, Instagram-Hype und der alles dominieren- den Pandemie – ist der Wunsch nach Abstand, Weite und unberührter Natur grösser als je zuvor. Und tatsächlich gibt es sie noch, die einsamen Orte direkt vor unserer Haustüre, wo man zwischen Himmel und Erde neue Perspektiven finden kannn. Justin und Karel wurden auf der neuen Gratwanderung vom Stanserhorn nach Engelberg fündig.

Engelberg-Titlis Tourismus +41 (0)41 639 77 77 engelberg.ch Package-Angebot inkl. Ge- päcktransport Stans-Engelberg, Bahnfahrt Stanserhorn, HP und Nacht im Zelt auf der Laucheren-Alp sowie Übernach- tung im Hotel in Engelberg mit Frühstück ab CHF 269 engelberg.ch/gratwanderung

gelohnt. Nach wiederholtem Wetterpech zeigt sich nun das 360° Grad-Panorama auf dem Stanserhorn auf 1’900 m ü. M. in seiner vollen Pracht. Auf der Sonnenterrasse des Drehrestaurants «Rondorama» schweift der Blick beim feinen Zmorge über die 100 km lange Alpenkette in Richtung Engelberger- tal. Gute 25 km oder zwei Tage Fussmarsch ent- fernt liegt dort unser Etappenziel. Die Wanderroute, die dazwischen vorwiegend auf dem Grad verläuft, wurde erst kürzlich neu erschlossen und formt die Königsetappe des «Tell-Trails», der über 156 km von Altdorf bis zum Brienzer Rothorn führt. Beim Einstieg trennt sich die Spreu vom Weizen, also der Aussichtstourist vom Bergwanderer. Jetzt ist gutes Schuhwerk, Trittfestigkeit und Konzent-

Das Panoramaglück beginnt mit der Bergfahrt. Die Sonne lacht; die Haare flattern im Wind. Nur verein- zelte Quellwolken verdecken die Aussicht, die von der Jurakette über zehn Seen bis zum Schwarz- wald reicht. Friedlich ruht die Welt am glitzernden

Vierwaldstättersee zu unseren Füssen, während wir unter den wachsamen Augen von Rigi und Pilatus dem Himmel entgegen- rauschen; zuerst im über 125 Jahre alten offenen Holzwaggon und dann auf dem Dach der weltersten CabriO-Luftseilbahn. Was lange währt, wird gut, heisst es. Und unsere Geduld hat sich

Gratwanderung Stanserhorn-Engelberg Wanderzeit: 10 h, Strecke: 25.1 km Dem Nidwaldner Höhenweg folgend wandern Sie bis nach Engelberg. Höhepunkt des Tell- Trails ist die neu erschlossene Gratwanderung zwischen dem Stanserhorn und Engelberg. Die Wanderung kann gut auch als Rundwan- derung in zwei Tagen begangen werden.

halleluja! Engelberg ist das neue/alte Paradies für Skifahrer

ration gefragt. In spitzen Kehren windet sich der Weg um das «Chli Horn» hinab zum Ächerlipass. Links und rechts führen mit Steinbrocken übersäte Wiesen steil in den Ab- grund. Kuhglocken bimmeln. Bei der «Alpkäserei Chüeneren» ist die Alpsaison in vollem Gange. Ein Helikopter schwirrt über unseren Köpfen, transportiert das mühevoll gesammelte Heu für den Winter ins Tal. Wir nutzen die letzte Möglich- keit, unsere Wasserreserven auf- zufüllen und Proviant einzukaufen; danach lassen wir die Zivilisation endgültig hinter uns. In den nächs- 126

Bilderreihe: S. 44: Gratwander- ung, Anreise auf das Stanserhorn im historischen Holzwag- gon und der CabriO- Luftseilbahn S. 45: Wanderung zur Alp Laucheren, Abendessen und Übernachtung bei Melk und Agnes S. 46: Wagenleis, Lutersee und Blick zum Etappenziel Engelberg

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Spot Magazine l Herbst 2021

✎ Carina Scheuringer

Justin Hession // Karte: zvg

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