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WANDERN
Das Schönste überhaupt: Höhenwanderungen
Mehrere Tage unbeschwert von Hütte zu Hütte wandern, kristallklare Bergluft einatmen, Weit- und Tiefblicke geniessen. Jetzt ist die beste Jahreszeit hierfür.
AUSZUG AUS DEM MEDIENSPIEGEL
2024/2025
VON KARIN BREYER
Über alle Berge: Auf den vier spektakulären Mehrtagestouren liegt einem die Welt zu Füssen. Hoch über dem Alltag ist die Schweiz grenzenlos schön, sei es im Rätikon, in der Zentral schweiz oder an den Quellen von Rhein, Reuss, Ticino und Rhone. Für alle, die diesen Sommer weit schauen und noch höher hinaus wollen. Die bestens markierten Bergwege sind gut zu begehen, fordernd können mitunter die langen Etappen sein bzw. die Höhenmeter. Die Touren lassen sich beliebig ab kürzen, auch als Ein- oder Zweitagestour gestalten, je nach verfügbarer Zeit. Es braucht lediglich eine solide Kondition und Trittsicherheit. Sicher ein Höhepunkt sind die Übernach tungen in den romantischen Berghütten.
PR & MEDIENARBEIT Neben der Medienreise mit Mammut wurden weitere Gruppen aus Deutschland und Benelux eingeladen. Auch individuelle Journalist:innen wurden betreut – inklusive massgeschneiderter Programme.
Spezial MOBILITÄT
Zu den Quellen des Glücks Vom Oberalppass zum Rhonegletscher
Die Kiste für Höhenflüge Kleinseilbahnen
Gipfel, Höhle, Gartenbeiz Tour: Bergstation Selunbahn–Selun– Wildmannlisloch-Höhle–Bergstation Selunbahn Distanz und Höhenmeter: 6,5 km; 690 m hinauf und hinab Dauer: 3 Stunden und 15 Minuten Betriebszeiten Bahn: Anfang Mai bis Ende Oktober (Achtung: An schönen Wochenenden und Ferientagen kann es zu längeren Warte zeiten kommen) An- und Rückreise: mit Bahn bis Wattwil und mit Postauto bis Haltestelle «Starkenbach» Links: www.toggenburg.swiss (Suche: «Selunbahn»); Alpwirtschaft Wildmannli: www.wildmannli.ch
Der Vier-Quellen-Weg führt in fünf Tagen zu den Quellen der vier Flüsse Rhein, Reuss, Ticino und Rhone – und zweifels ohne zu den Quellen des Glücks. Eine Wanderung der Super lative: Es geht im mal lockeren, mal anspruchsvollen Auf und Ab durch die vier Kantone Uri, Graubünden, Tessin und Wallis und über die sechs Pässe Maighels-, Sella-, Gotthard-, Lucendro-, Nufenen- und Furkapass. In den schönsten Formen und Farben gestaltet sich die alpine Landschaft mit ihrer rei chen Tier- und Pflanzenwelt. Das Lebenselixier Wasser und
tagesanzeiger.ch
Gezimmert aus Holz, geschmiedet aus Metall, mit oder ohne Dach – hierzulande surren gut 200 Kleinseilbahnen bergwärts. Sie transportieren Älpler und Wandervolk, Waren und Vieh. Und verbinden so Berg und Tal.
Reach: 671.212 Visits: 20.136.386
Paywall: Ja
Text: Üsé Meyer
E in komisches Gefühl, in dieser kleinen, offenen Holzkiste mit Blechdach zu hocken, die Sitz fläche stark nach hinten ge neigt, Platz für maximal vier Personen, die Klapptürchen zu – aber nicht speziell ge sichert –, der Blick entlang der Drahtseile zum hohen Mast in weiter Ferne. Zweimal ertönt ein Quä ken, dann setzt sich die Seilbahn von Starkenbach SG im Toggenburg zur Alp Selun langsam in Bewegung. Unsere heutigen Wanderziele sind der Gipfel des Selun auf 2205 Metern, der zur Gruppe der Churfirsten gehört, und die Wildmannlisloch Höhle. Die Selunbahn ist eine von gut 200 Kleinseilbahnen in der Schweiz, die per definitionem maximal acht Personen pro Fahrt und Richtung befördern kön nen. «Phänomenal», schwärmt Reto Canale. «Kein anderes Land hat eine solche Seilbähnchendichte.» Canale ist Seilbahningenieur und Mitautor des Führers «200 Kleinseilbahnen Schweiz». Er setzt sich auch aktiv für deren Erhalt ein. «Einerseits sind sie ein Schweizer Kulturgut und anderseits in ihrer technischen Einfachheit schlicht faszinierend», begründet der Fach mann sein Engagement. Viele der heute noch existierenden Kleinseilbahnen haben ihre Anfänge in den 1920er und 1930er Jahren. Sie stellten die Hauptverbindung für Berg
Datum: 23.02.2024 Autor: - Thema: Eigennennung Und dann kam die Lawine
dörfer, Bergbauernhöfe und Alpbetrie be hinunter ins Tal dar – oft auch heute noch. Sie verkürzten den Schul oder den Arbeitsweg massgeblich und bei einem Notfall auch die Anreise eines Arztes oder des Veterinärs. Und natür lich dienten die Bähnchen auch dem Transport von Material, Hofprodukten, Lebensmitteln oder Vieh. Vortritt fürs Alppersonal Auch die Selunbahn stammt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts: 1911 als reine Transportbahn für die Alp Selun erbaut, diente sie ab 1955 auch der Be förderung des Alppersonals und nach einer umfassenden Erneuerung 1986 ebenfalls dem Transport von Touristen. «Diese Seilbahn wurde zur Erleich terung des Alpbetriebs erstellt. Wir bitten Sie deshalb, dem Alppersonal den Vortritt zu lassen.» So steht es auch heute noch in der Talstation auf einem Aushang. Betrieben wird die Bahn von der Alp korporation Selun. Präsident ist Land wirt Jürg Ammann aus Starkenbach, der neben 16 anderen Bauern im Som mer selbst rund 50 Kühe und Jungvieh auf der Alp Selun hat. Der 50 Jährige kennt den Tagesablauf des Alpperso nals also bestens: um 4.30 Uhr aufste hen, dann die Kühe zum Melken in den Stall treiben, um 6.30 Uhr die Milchkes sel aufs Bähnli verladen – drei Fahrten à 400 Liter Milch –, um 11 Uhr selbst mit
der Selunbahn hinunter ins Tal, um die Arbeit auf dem Hof zu erledigen, dann wieder hoch, um zu melken, und schliesslich die vollen Milchkessel für die letzte Fahrt um 18.30 Uhr wieder ins Bähnli bugsieren. Ein fordernder Alltag – da gönnt man der Milch und dem Alp personal gern den Vortritt. Pro Saison absolviert die Bahn rund 500 Fahrten für den Milchtransport und 4500 für Personen – hauptsächlich Touristen. Die sind überlebenswichtig: «Ohne die Einnahmen durch die Gäste könnten wir unsere Bahn nicht betrei ben», sagt Jürg Ammann. Ein Los, das er mit vielen anderen Kleinseilbahn betreibern teilt. Und ohne die Selun bahn wäre wiederum der Betrieb der Alp mit Milchwirtschaft nicht möglich. Über die Fahrstrasse würden die Trans porte zu lange dauern. Sanfter Tourismus Zu viert schweben wir in der Holzkiste vorbei an Baumwipfeln Richtung Berg station Alp Selun – es rappelt, surrt und scheppert. Angst haben muss man aber nicht. «In der Schweiz sind die Sicher heitsanforderungen an die Kleinbahnen genau gleich streng wie diejenigen an die grossen Bergbahnen», erklärt Seil bahningenieur Reto Canale. Die Anla gen würden jährlich überprüft. Canale möchte noch einen positiven Aspekt der Kleinseilbahnen hervorheben: «Wegen ihrer geringen Transportkapa
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zität garantieren sie einen sanften Tou rismus und damit Ruhe am Berg.» Tat sächlich passieren wir auf dem knapp zweistündigen Aufstieg zum Selun nur wenige andere Wandersleute, und auch auf dem Gipfel verstellen uns kaum Menschen die Sicht auf das Panorama: hinüber zum Säntis, zu den anderen Churfirsten Gipfeln, zum Piz Linard, zum Tödi und hinunter zum Walensee. Je kleiner die Bahn, desto weniger Leute am Berg. Das ist aus Sicht der Touristen ein Vorteil – für die Bahn betreiber selbst aber oft eine finanzielle Herkulesaufgabe. Laut Jürg Ammann kostet der reguläre Betrieb der Selun bahn im Jahr rund 40000 bis 50000 Franken. Weil aber bald ein Austausch der Steuerung und des Antriebs bevor steht, muss die Alpkorporation nun auf Gönner , Sponsoren und Kreditgeber suche gehen – das Vorhaben wird ge
mäss Ammann grob geschätzt eine halbe Million bis eine Million Franken kosten. «Alles etwas unsicher derzeit – aber ich bin trotzdem zuversichtlich», sagt er. Bären, Löwen und ein süsser Fladen Auf dem Abstieg vom Gipfel machen wir einen Abstecher zur Wildmannlis loch Höhle. Wir montieren die Stirn lampe und machen eine kleine Expedi tion in die auf rund 150 Metern begeh bare Höhle. Hier wurden unter anderem Knochenreste von Höhlenbären sowie löwen gefunden, und der Ort soll von Jägern und Sammlern der Neandertaler vor rund 40000 Jahren temporär besie delt worden sein. Auf dem Rückweg zur Bahnstation passieren wir die Alpwirt schaft Wildmannli. In der Gartenbeiz geniessen wir die regionale Spezialität «Schlorzifladen»; eine flache Wähe aus
gekochten und passierten Birnen, ge mischt mit einem Rahmguss. Zur Berg station der Selunbahn sind es von hier nur knapp zehn Minuten. Wieder unten in Starkenbach angekommen, ahnen wir: Trotz schöner Wanderung, span nender Höhlenexpedition und feinem Schlorzifladen – in Erinnerung bleiben wird uns wohl hauptsächlich die Fahrt in der rappelnden Kiste. n Kulturgut und faszinierendes Erlebnis»; Weber-Verlag, 2020, 356 Seiten, Fr. 49.– n Broschüre: «Seilbahn-Eldorado Uri – ab in die Berge»; kann online gratis als PDF heruntergeladen werden: www.uri.swiss → Services → Broschüren n Buch: Roland Baumgartner, Reto Canale: «200 Kleinseilbahnen Schweiz. Nationales
ESSEN UND TRINKEN
ESSEN UND TRINKEN
Kräuter, Feuer und ganz viel Leidenschaft
Verspüren Sie Wanderlust? Auf Seite 56 gibts Vorschläge für vier Touren.
FOTOS: STEPHAN BÖSCH
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Beobachter 10/2024
Beobachter 10/2024
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Die Villa Hundert hoch über Engelberg ist mehr als ein stilvolles Boutiquehotel. Die beiden schwedischen Gastgeber Christian Brangenfeldt und John Jezewski begeistern mit einer konsequent saisonalen Küche.
Christian Brangenfeldt und John Jezewski sammeln regionale Aromen am liebsten selbst.
Dank der Geschmacksbibliothek gibt’s Gemüse und Früchte das ganze Jahr über.
Silvia Schaub
Datum: 05.06.2024
N atürlich kennt Christian Brangenfeldt sie ganz genau – die Berge, die man von der Villa Hundert oberhalb von Engelberg aus erblickt. «Graustock, Jochpass, Titlis, man sieht sie alle», meint er strahlend. Unten streift derweil John Jezewski durch den Garten und p fl ückt Wiesenkräuter wie Bärlauch-Blüten, Gundermann oder Vergissmeinnicht für seine Natur-Küche.
Das Gebäude aus den 60er-Jahren war einst ein Lun gensanatorium und wirkt von aussen unscheinbar. Doch die beiden charismatischen Schweden haben dem Haus zusammen mit Eigentümerin Anna Lisa Braun frisches Leben eingehaucht und es im Dezem ber 2022 erö ff net. Die Villa Hundert, die Zahl steht für die Hausnummer, nennen sie Boutique Mountain escape und haben sie mit honigfarbenem Holz, Schieferböden und sanften Schwarzweiss-Akzenten im nordischen Stil eingerichtet. Neun Zimmer mit ins gesamt 22 Betten stehen den Gästen zur Verfügung. Noch ist nicht alles so, wie es sich die beiden gelernten Köche wünschen, die einst wegen ihrer Snowboard leidenschaft nach Engelberg kamen und hier hängen geblieben sind. Im Erdgeschoss neben dem Konferenz raum entsteht gerade ein Spa-Bereich, der bis nächs ten Winter fertig sein soll. Brangenfeldt steigt noch eine Treppe tiefer, wo sich neben dem reich bestückten Weinkeller mit überwiegend Schweizer Tropfen der Keller mit unzähligen Einmachgläsern mit fermen tiertem Gemüse und Früchten be fi ndet. «Dies ist unsere Geschmacksbibliothek», erklärt der 39-jährige Gastgeber, Sommelier und Mann für alles. Blaubeeren, Holunderblüten, Mais, Kefen, Spargeln und Birnen essig reihen sich auf, von der Decke hängen wohl duftende Kräuterbüschel. Früher gemeinsam auf der Bühne Damit zaubert Chefkoch John Jezewski (33) mit seiner Crew eine konsequent saisonale Küche mit ausschliesslich Schweizer Produkten auf den Teller. «Wir sammeln, ernten und verarbeiten selbst, was
immer möglich ist.» Konsequent saisonal heisst für ihn: Im Winter gibt’s halt nichts aus dem Garten, sondern eben aus dem Keller. Auch wenn seine Küche vom Norden beein fl usst ist, geht er doch seine eigenen Wege. Und diese zeigen sich in einem gekonnten Zu sammenspiel von Aromen, mit einer ausgesprochenen Hingabe für die Produkte und einer aussergewöhn lichen Kreativität. Das sei nicht nur dank ihm, meint Jezewski in aller Bescheidenheit. Seine Crew funktioniere wie eine Musikband: «Jeder von uns bringt seine persönlichen Noten ein und trägt so zum Resultat bei», sagt John. Sie spielten früher tatsächlich in einer Band namens Snake Hands. Heute haben sie keine Zeit mehr dafür. Doch was sie zusammen auf den Teller zaubern, kommt mit einer Freude und Leidenschaft daher, die man im Gaumen spürt. Ein Erlebnis der Sinne, das auch den Gastroführern aufgefallen ist. So wurde die Villa Hundert schon kurz nach Erö ff nung mit 14 GaultMillau-Punkten ausgezeichnet. In ihrer neu eingerichteten Küche werden am Herd die letzten Handgri ff e ausgeführt, während Chefkoch John zum Song «Lyssna till ditt hjärta» (Hör auf dein Herz) von Maritza Horn mitsingt. Was er vorher im Garten gesammelt hat, steht schon bald als Appe tizer auf dem Tisch. Ein gefülltes Radieschen mit gerösteter Poulethaut und Pouletleber, eine gegrillte Steckrübe mit Molke-Glasur, Eigelb und Bärlauch- Blüten sowie ein Wildkräuterblatt mit geräuchertem Lachs und Vergissmeinnicht-Blüten. Liebevoll arran gierte Kunstwerke, die man sich gar nicht zu essen
traut. Der nächste Gang stellt weisse Spargeln in den Mittelpunkt. Sie werden mit feinstem Lardo sowie Wildkräutern und Zwetschenkernschaum begleitet. «Ich möchte die Produkte möglichst in ihrer ganzen Reinheit zeigen», erklärt Jezewski seine Philosophie. Deshalb sind für ihn die Produzenten von grösster Wichtigkeit. Der Käse kommt vom lokalen Käser Sälmi Töngi, das Fleisch von Holzen fl eisch Ennetbürgen und Gemüse sowie Früchte stammen aus Hünenberg und Oberdorf. Eine weitere grosse Leidenschaft von John Jezewski ist das Feuer. Da ist es nur logisch, dass er und Christian Brangenfeldt auch beim Food Unplugged mitwirken. Dieses einzigartige Festival mitten im Wald bei der Talstation Fürenalp fi ndet jeweils im Juni statt. Die Köche kochen dort nur auf dem Feuer, ganz ohne Strom und Gas. «Die Stimmung am Festival ist so unglaublich gut, sowohl für uns Köche wie auch für die Gäste.»
Die Schwedin Sanne Mona wanderte nach Engelberg aus, um abseits der Pisten Ski zu fahren. Sie wurde von einer Lawine verschüttet - und machte trotzdem weiter. Die Geschichte eines überwundenen Traumas.
Obwaldner Zeitung 6370 Stans 041/ 618 62 70 https://www.luzernerzeitung.ch/
Medienart: Print Medientyp: Tages- und Wochenpresse Auflage: 3'976 Erscheinungsweise: 5x wöchentlich
Seite: 19 Fläche: 32'243 mm²
Auftrag: 1078634 AEV (in Tsd. CHF): 1.5
Referenz: 92160454 Ausschnitt Seite: 1/2
Frederik Jötten (Das Magazin) Publiziert heute um 08:18 Uhr
Auf der Suche nach unberührtem Terrain: Sanne Mona in Engelberg.
Foto: Ephraim Bieri
Villa Hundert Fellenrütistrasse 100
6390 Engelberg villa-hundert.ch
Der Ort, an dem Sanne Mona lebendig begraben wurde, sieht harmlos aus an diesem sonnigen Freitagmittag über Engelberg in der Zentralschweiz. Schneekristalle glitzern, der Himmel ist blau mit ein paar weissen Schlieren. Die dreiunddreissigjährige Schwedin steht auf Ski wohl 1500 Meter über den grauen Wolken, die den Blick ins Unterland verhängen. Vor ihr erhebt sich ein zwanzig Meter hoher Felsschädel, dessen Nase und Augen gen Tal zeigen. Darauf Neuschnee, der sich wie ein Umhang an die Kuppe schmiegt.
Food Unplugged: engelberg.ch/food-unplugged
Im Boutique Mountaine scape herrscht nordische Chalet-Atmosphäre.
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«Etwa hier lag ich», Sanne Mona, zwei geflochtene blonde Zöpfe schauen zwischen Helm und Skibrille he‐
reise
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Engelberg – Klosterdorf auf dem Berg der Engel
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Im Alpbeizli Stäfeli gibt es einheimische Speziali täten
Der Walenpfad zählt zu den schönsten Höhenwan derwegen der Schweiz
Vor über 900 Jahren wurde der Grundstein für das Kloster in Engelberg gelegt
mosphäre den Daheimgeblieben virtuell übermitteln. Damit die fernöstlichen Besucher stilecht im angemessen alpinen Dress code posen können, bieten die Läden und Boutiquen auf dem Ti tlis komplette Trachten-Outfit-Va rianten. Statt den Haferlschuhen werden allerdings Bergschuhe zum Dirndl oder zur Krachleder nen angeboten. Zwischen Shoppen und Shoo ting geht es mit der Rotair-Dreh seilbahn auf den Gipfel. Eine 360 Grad-Drehung dauert die Auf fahrt, die einen Rundumblick auf die faszinierende Bergwelt er möglicht. Oben angekommen wagen sich Mutige auf die schwindelerregend hohe Hänge brücke Cliff Walk. Für Höhenängstliche empfiehlt sich eher der Gletscherpark, ein eisiger, mit Eiskunstwerken be stückter Tunnel, der in den Gipfel geschlagen wurde. Nach dem kuriosen Gipfeler lebnis gondeln wir mit der Stand seilbahn Gerschnialp eine Etage tiefer zum Trübsee. Ein Rundgang um den See in der frischen Berg luft macht hungrig. Im Selbstbe dienungsrestaurant des einfa chen Berghotels direkt am See stärken wir uns mit Hirtenmakka roni nach Schweizer Art mit Ap felmus. Unterdessen ergießt sich aus der dichten dunklen Wolken decke ein Wolkenbruch. Damit steigen wir statt in den geologi schen Wanderweg in die Brun ni-Bergbahn ein und schweben hinunter ins Tal. Beim anschlie ßenden Bummel durch Engelberg entdecken wir die gemütliche Ski Lodge Bar. Der „Place to be“ ist ein beliebter Treffpunkt für Ein heimische und Gäste. Man trifft sich auf einen Plausch oder, wie wir, auf einen Cappuccino und
Längst sind die Kalorien ver braucht, als wir den Tag im bo denständigen Restaurant Spann ort mitten im Dorfkern bei einem Menü mit Trockenfleischspeziali täten und Rindsfilet vom Schwei zer Weiderind ausklingen lassen. Bei einem „Absacker“ zum Aus klang unserer Wandertage in der Yukatan-Bar des Hotels Bellevue Terminus schmieden wir schon Pläne für weitere Erkundungen auf Schusters’ Rappen. Text und Fotos: Renate Wolf-Götz
Nachhaltigkeitskonzept bereits 2011 zur Energiestadt gekürt wur de, fällt der Blick immer wieder auf Bauwerke im Stil der Belle Époque. Vor über hundert Jahren sei Engelberg ein vielverspre chender Luftkurort für Atem wegserkrankungen gewesen, er klärt Nicole Eller. „Noch vor Da vos“, ergänzt die Ortsführerin. Deshalb seien damals mehrere Nobelhotels gebaut worden. Al lerdings haben sich nicht alle über die wechselvollen Zeiten retten können. Zu den wenigen gehöre das noble Kempinski-Ho tel mit dem integrierten histori schen Kursaal in der Ortsmitte und das Bellevue Terminus direkt am Bahnhof. Das am sonnigen Südhang gelegene Jugendstilho tel Terrace, das ebenfalls über mehrere Jahre geschlossen war, hat sich nunmehr ausschließlich auf indische Gäste eingestellt. Winters wie sommers steuern die Besucher aus der Ferne Engel berg an, um vor allem den Gipfel des Titlis zu stürmen und sich am zuvor nie gesehenen Schnee auf dem Gletscher zu erfreuen. Top Ten mit dem Titlis Der Titlis überragt mit seinen 3239 Metern Höhe alle umliegen den Gipfel. Schon deshalb hat der herausragende Gletscher maßgeblichen Anteil daran, dass Engelberg zu den Top Ten der Schweizer Skigebiete gehört. Wintersportcracks schätzen die zwölf Kilometer lange Abfahrt ganz besonders, die über 2000 Höhenmeter führt und damit als weltweit längste Abfahrt punktet. Für die indischen Gipfelstürmer ist das allerdings kein Thema. Sie wollen für einen Moment das Gletscherfeeling erleben und mit tels Fotoshooting die alpine At
zum Schmökern in der erlesenen Auswahl an Büchern mit Bezug auf die Berglandschaft. Eindrucksvolle Ausblicke im Pat agonien der Schweiz Unser nächstes Wanderziel ist der Walenpfad, eine der schöns ten Höhenwanderwege der Schweiz. Hoch über dem Engel bergtal führt die Tagestour über elf Kilometer vom Brunni- ins Bannalp-Gebiet mit dem Ban nalp-Stausee auf knapp 1600 Metern Höhe. Unterwegs eröff nen sich immer wieder ein drucksvolle Ausblicke, die von den gletscherüberzogenen Gip feln um den Titlis über die hoch aufragenden Walenstöcke bis hin zum Vierwaldstättersee reichen. Am letzten Tag unserer Wan derwoche steht mit dem „Little Patagonia Loop“, dem Patagoni en der Schweiz, noch ein High light auf unserem Programm. Herbstlich kühl ist es noch, als wir morgens in die Luftseilbahn Fürenalp steigen. Auf 1850 Me tern Höhe angekommen reflektie ren die ersten Sonnenstrahlen bereits an den mächtigen Gip feln, während über dem Tal noch ein Nebelmeer liegt. Über schma le Pfade geht es kontinuierlich bergab. Mal plätschert eine Quel le aus dem Gestein, dann fällt der Blick auf seltene Bergblumen und immer wieder fasziniert die mächtige Bergwelt. In der Alp beizli Stäfeli stehen im Herbst heimische Wildspezialitäten auf der Speisekarte. Zum Nachtisch verlockt der leckere Kaiser schmarrn mit Zwetschgenkom pott. Dann geht es flott weiter über Alpwiesen, vorbei am Stäu ber Wasserfall und schließlich mit dem kostenlosen Bus zurück nach Engelberg.
→ Schon die Fahrt über Luzern und die beschaulichen Ortschaf ten Stans und Oberdorf stimmt auf die herbstlichen Wandertage in den Schweizer Bergen ein. Die Strecke hinauf nach Engelberg ist nicht übermäßig kurvig. So kön nen wir die reizvolle Landschaft schon ein wenig genießen. Am Benediktinerkloster Ma ria-Rickenbach vorbei ist schon Zu Füßen hochalpiner Berge, allen voran des alles überra genden Gletschers Titlis und des nicht weniger eindrucks vollen Hausbergs Hahnen, breitet sich Engelberg auf gut 1000 Metern Höhe in einem weiten Hochtal aus. Hier sind die Winter lang und schneesi cher. Doch auch die Sommer- und Herbstzeit hat ihre Reize.
Informationen: Auskunft: Engelberg-Titlis
Wanderer über dem Nebelmeer im Patagonien der Schweiz
Lange bevor Engelberg und die rundum eindrucksvolle Bergwelt im Kanton Obwalden erschlossen wurden, soll sich hier eine himm lische Geschichte zugetragen haben. Der Legende nach hatte Konrad von Sellenbüren im Traum Engelsstimmen gehört. Die En gelszungen trugen dem Adels mann aus dem Kanton Zürich auf, an diesem Ort eine Gott geweihte
der kleine Eugenisee in Sicht. Ebenfalls am Ortseingang der mit 6400 Einwohnern überschauba ren Gemeinde hat die Titlis-Berg bahn ihre Talstation. Mit der Be zeichnung Engelberg-Titlis hat sich das sonst eher unspektaku läre Klosterdorf einen Namen als größter Winter- und Sommerferi enort der Zentralschweiz ge macht. Das war nicht immer so.
Tourismus, www.engelberg.ch Schweiz Tourismus, www.MySwitzerland.com
ARGUS DATA INSIGHTS ® Schweiz AG | Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich T +41 44 388 82 00 | E mail@argusdatainsights.ch | www.argusdatainsights.ch
Stätte zu schaffen. So entstand im Jahr 1120 das Benediktinerkloster auf über 1000 Metern Höhe. Ein Name für den geweihten Ort war schnell gefunden: Der Berg der Engel, kurz gesagt Engelberg. Inzwischen dient das Kloster, das nach wie vor maßgeblichen Einfluss auf das Dorfleben hat, nicht mehr nur klerikalen Zwe cken. Auf Führungen im Kloster und in der barocken Klosterkir che mit der größten Orgel der Schweiz erfährt man auch, dass die 19 verbliebenen Mönche bei ihren umfangreichen Aufgaben, darunter der Unterricht in der an geschlossenen Stiftsschule mit Internat sowie bei den Arbeiten der außerhalb gelegenen Besitz tümer, zu denen auch ein Wein berg und ein Hotel gehört, von 120 weltlichen Mitarbeitern un terstützt werden. Energiestadt Engelberg Auf einem kleinen Spaziergang durch das Klosterdorf, das mit seinem zukunftsweisenden
Anreise: Engelberg liegt zentral und ist bequem über die A2 erreichbar. Nach der Abzweigung steigt die Stra ße ab Grafenort über etwa 20 Km deutlich an. Camping: • Der Alpenresort-Campingplatz mitten in der atemberaubenden Bergwelt Engelbergs gehört zu den besten Campingplätzen der Schweiz, ganzjährig geöffnet, www.alpenresort.ch • Camping Eienwäldi mit Wellness- und Beautyoase, ganzjährig, www.eienwaeldi.ch Gut zu wissen: Rund um Engel berg-Titlis stehen über 500 km gut ausgeschilderte Wanderwege unter schiedlicher Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Die Wandertageskarte gibt Auskunft zu den Wanderungen, die mit Bergbahnen erreicht oder abge kürzt werden können. Nicht alle Wanderwege sind ganzjäh rig begehbar. Der Walenpfad etwa ist nur von Anfang Juli bis Ende Oktober geöffnet.
Blick auf Engel berg aus der Brunni Bergbahn
Almabtrieb vorbei am Kloster Engelberg
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