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Die Bahn hat Platz für vier Personen. The cable car can hold four people.

*Fredrik Schenholm ist Aben- teuerfotograf und Geologe mit Vorliebe für Vulkane. Anders Wingqvist ist Ski-Journalist. *Fredrik Schenholm: Adventure photographer and geologist with a passion for volcanoes Anders Wingqvist: Ski journalist

Kuhlifte inder Schweiz The “cow lifts” of Switzerland Text: Anders Wingqvist, Fotos: Fredrik Schenholm*

Kleine Seilbahnen, grosse Berge, freundliche Bergbauern – und «Buurebähnli»: So heissen die allgegenwärtigen und privat betriebenen Mini-Bergbahnen. Muuuhhhh! Die Kühe, an denen wir vorbeigehen, beobachten uns mit einer Mi- schung aus Scheu und Neugier. Widerwillig weichen sie zur Seite, als wir in Skischuhen, die Ski auf der rechten Schulter und die Stöcke in der linken Hand, den Stall betreten. Hier riecht es nach Land: eine Mischung aus Kuhfladen und Heu. Für die Rinder sind wir mit unseren knallbunten Freerider- Outfits offensichtlich ein vor uns liegen. Ich lasse den Kuhstall Oberalp- Bauernhofs mit dem deutlichen Gefühl hin- ter mir, einer Gefahr entronnen zu sein. Weit unter uns liegen das Engelbergertal und die Seilbahnstation Diegisbalm, von der aus die kleine Vierpersonen-Kabine in die Höhe steigt. Die Sache ist die: Ich mag Tiere nicht besonders. Ich streichle sie nicht. Ich esse sie nicht. Katzen, die mir um die Beine streichen, schubse ich freundlich, aber bestimmt, weg. Hunde, die mit mir spielen wollen, strafe ich mit Nichtachtung. Alles, was ich von Tieren will, ist: in Ruhe gelassen werden. Als mein guter Freund und langjähriger Kollege Fredrik Schenholm vorschlug, eine Skitour mit Schweizer «Kuhlif- ten» zu machen, war ich daher skeptisch. Leider hatte ich wohl auch nur sehr selektiv hingehört, denn als er mir zum ersten Mal davon erzähl- te, drangen nur die folgenden Informationen zu mir durch: «Das wird ein Abenteuer»; «Wir brauchen nicht ganz vom Tal hochzulaufen, denn die Lifte bringen uns auf eine Höhe von seltener Anblick. Als wir die Stalltür aufstossen, blendet uns das Licht einen Moment lang. Doch dann sehen wir die schneebedeckten Gipfel

fast 1500 m»; «Massenhaft unberührtes Terrain» und «Wenige oder gar keine anderen Freerider». Als wir von Oscar Hübinette, einem Ski- fahrer aus Engelberg, die Nachricht erhielten, dass in den Bergen ums Tal Schnee gefallen sei, machten wir uns auf, das Gebiet zu erkunden. In den folgenden Tagen fuhren wir mit dem Auto los und parkten nahe den winzigen Seilbahnsta- tionen. Wir fuhren Ski und tranken Kaffee und selbstgebrannten Schnaps mit den Bergbauern, von denen uns viele zu sich nach Hause einlu- den. Wir unternahmen mehrere Skiausflüge und

konnten dabei oft ganz alleine die herrlichsten Pulverschnee- pisten geniessen. Doch zurück zu den Kühen auf der Oberalp. Nachdem wir den Stall verlassen und sich unsere Au- gen an das helle Sonnenlicht

«Endlich liegt Schnee! Zeit für uns, die Berge zu erkunden.»

gewöhnt haben, spüre ich eine gewisse Panik in mir aufsteigen. Vor mir stehen neun Kühe. Frei und nicht angebunden. Sie glotzen mich an und machen Lärm. Damit und mit ihren Hörnern ma- chen sie mir mehr Angst, als ich hier wiederge- ben kann. Ich bewege mich so weit wie möglich von ihnen weg und gehe so nah wie möglich am Elektrozaun entlang – immer noch besser, einen Stromschlag zu riskieren, als von einer dieser schleimigen Zungen abgeschleckt zu werden. Als wir die Rinder in sicherer Entfernung hinter uns gelassen haben, schnallen wir unsere Skier an und gehen los. Meine Reisebegleiter kichern, erheitert durch meine Panik. Wir folgen einem schneebedeckten Pfad hinauf zur Lochhütte-Alp. Etwas weiter im Tal stossen wir auf ein vielver- sprechendes Skigebiet, das vom Gräfimattstand (2050 m.ü.M.) zur Rechten und der Kernalp sowie dem steilen Arvigrat zur Linken eingekesselt liegt. Der Ski-Spielplatz bietet vielfältige Ter- rains und einen Höhenunterschied von 400 m. Und mir wird plötzlich klar, warum ich hier bin!

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